Home | Informationen | Termine | Nachwuchs | Chronik | Konzertreisen | Diskographie | Presse | Gästebuch | Links | Kontakt

 

 

Innsbrucker Capellknaben Presse
Der Tagesspiegel. Deutschland

NEUE ORGELN, NEUE ORTE. EINE STADT IM MUSIKRAUSCH
Ursula Wiegand. Der Tagesspiegel. Leipzig
>>> zum Kommentar

44 Veranstaltungen an fünf Tagen - und trotzdem ist vor Ort von "Normalisierung" die Rede, von Entspannung. Im Vergleich zum doppelt so langen Bachfest 2000 - aus Anlass des 250. Todestages Johann Sebastians - fanden am vergangenen Wochenende "nur" etwa 32 000 Besucher den Weg nach Leipzig (im Vorjahr waren es 72 000).

Dem Motto "Der junge Bach - eine Spurensuche" entsprechend widmeten sich die Leipziger diesmal besonders Bachs Frühwerken und denen seiner Vorgänger, wie Pachelbel oder Buxtehude. Von der h-Moll-Messe etwa blieben mit Kyrie und Gloria nur vertanzte Teile. Das daraus gefertigte Stück "Gloria in excelsis Deo" (Choreografie: Uwe Scholz) hatte schon Anfang Mai Premiere, ein Event mit durchaus zwiespältigem Echo. Bach verjazzen hingegen - das kommt längst gut an: beim Enrico Pieranunzi Trio zu später Stunde in der Moritzbastei oder bei "Bach on Air" am Samstag Abend vor dem Alten Rathaus. Und für die lieben Kleinen gab's "Krach bei Bach" im Hauptbahnhof. Leipzig im Musikrausch fast rund um die Uhr ...

Thomaskantor Georg Christoph Biller hatte 48 Musikstudenten aus Leipzigs Partnerstädten zum Mittun eingeladen, eine Idee, die von Bach selbst hätte stammen können. Nach fünftägiger Probearbeit verschmolzen die Jugendlichen aus Hannover, Leipzig, Brno (Tschechien), Krakau (Polen), Houston/Texas (USA) und Nanjing (China) mit dem Thomanerchor zu einer respektablen Einheit. Klar, dass da auch mal was daneben ging, doch die gelungene Schlusskantate "Erschallet, ihr Lieder" (BWV 172) setzte den richtigen Akzent. Welch viel versprechende Talente versammelt waren, zeigte sich dann beim beliebten "Wandelkonzert". In der alten Handelsbörse begeisterte eine Krakauer Geigerin mit einer rasanten Mazurka, und die kleine Chinesin Yi Zhou (Violincello) gewann mit innig-reizvollen Tönen aus ihrer Heimat schnell die Herzen.

In der Thomaskirche selbst schlug Johannes Unger, Bachpreisträger des Vorjahres, an der Sauer- und an der neuen Bachorgel die Zuhörer in seinen Bann. Überhaupt sind die Orgeln in und um Leipzig eine besondere Attraktion. Die neue Bachorgel von Gerald Woehl in der Thomaskirche steht jetzt mit sämtlichen Registern zur Verfügung. Konzipiert ist sie nach der großen thüringisch-sächsischen Orgelbautradition, wie zu Bachs Zeiten im Chorton (466 Hz, einen halben Ton höher als heute üblich) gestimmt und mit einer Transponier-Einrichtung versehen. "Das Instrument besitzt unglaubliche Möglichkeiten und erlaubt neue Klangmischungen", schwärmt Organist Ullrich Böhme. Die Charakteristika der einzelnen Tonarten treten nun wieder hervor.

Zu den Highlights gehören daher auch die Orgelfahrten. "Auf der Tastatur kann man noch Bachs Fingerabdrücke ahnen," meint Gabriele Wadewitz an der vom Meister seinerzeit sehr gelobten Hildebrandt-Orgel in Störmthal. Und auch beim Spiel von Annette Groß auf den beiden Silbermann-Orgeln in der Georgen- und der Marienkirche zu Rötha lauschten die Zuhörer mit leuchtenden Augen. Liebhaber der historischen Aufführungspraxis eilten derweil zum Cembalo-Virtuosen Tom Koopman und seinem "Amsterdamer Baroque Orchestra". 

Weit fetzig-packender dann Leonard Bernsteins "Chichester Psalms" unter Howard Arman mit dem glänzend disponierten Chor des MDR und einem engelgleichen Knabensopran, gesungen vom 12-jährigen Raphael Mitterrutzner von den Innsbrucker Capellknaben. 

Zum Höhepunkt wird der Abend in der Nikolaikirche mit Andrew Manze's "The Academy of Ancient Music". Doch Akademisches ist Manze, wohl manchmal ein rechter Teufelsgeieger, fremd.

Und dann die britische Ausnahme-Sopranistin Emma Kirkby mit Bachs Kantate "Mein Herze schwimmt im Blut" (BWV 199). Sie singt nicht nur mit einer unglaublich reinen, Nuancen reichen Stimme, sie ist diese Büßerin. Zart umrahmt von Frank de Bruines Oboe formt sie Töne wie nicht mehr von dieser Welt, erst voll von abgrundtiefem Schmerz ("Tief gebückt und voller Reue"), dann jubelnd vor Erlöstheit. Eine absolute Sternstunde. Atemlose Stille, tosender Beifall. 

 


 

Home | Informationen | Termine | Nachwuchs | Chronik | Konzertreisen | Diskographie | Presse | Gästebuch | Links | Kontakt

 

Innsbrucker Capellknaben
© by ICK 2001.
-- www.capellknaben.org --
--
info@capellknaben.org --
created by
AltenburgerWebDesign
All rights reserved. Alle Rechte vorbehalten.